12.06.2024

Salzburger Landeshymne: Landtag nimmt Kritik aus der Literatur ernst und setzt ein Zeichen für Umdenken

Salzburger Landeshymne: Landtag nimmt Kritik aus der Literatur ernst und setzt ein Zeichen für Umdenken

Als Erfolg wertet der Leiter des Salzburger Literaturhauses, Tomas Friedmann, die Diskussion im Salzburger Landtag am 12. Juni 2024 über die Salzburger Landeshymne sowie den Beschluss einer kritischen Aufarbeitung durch Expertinnen und Experten: „Nachdem bisher von der türkis-blauen Landesregierung eine historische Aufarbeitung abgelehnt worden war, zeigt der Beschluss von erfreulicher Einsicht und Lernfähigkeit. Die Salzburger Hymne ‚Land uns’rer Väter‘ aus dem Jahr 1928 ist antiquiert und untragbar. Eine Diskussion über den Text und die beiden ‚Schöpfer‘ – den Autor und kriegsverherrlichenden Priester Anton Pichler und den Komponisten und illegalen Nazi Ernst Sompek – ist notwendig und längst überfällig.“ Dass nach dem – von den Regierungsparteien mitgetragenen – Beschluss für eine historische Aufarbeitung dann die Hymne mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ dennoch gesetzlich verankert wurde, sei absurd und wohl parteipolitisch motiviert, so Friedmann.

Friedmann weist außerdem darauf hin, dass 1949 per Verordnungsblatt des Salzburger Landesschulrats die Einübung und Eingliederung der Landeshymne im Gesang- und Sprachunterricht an allen Volks-, Haupt- und Mittelschulen des Landes angeordnet wurde, „um sie der Vergessenheit zu entreißen“. 1982 wurde in der „Landwirtschaftlichen Lehrpläneverordnung“ (Landesgesetzblatt Nr. 84) vorgeschrieben, im Gegenstand Singen u.a. die Landeshymne zu lehren. Dies gilt bis heute. Die Landeshymne sei der Bevölkerung weitgehend unbekannt, meint Friedmann. Umso bedauerlicher sei, dass sich der Landtag in seiner heutigen Sitzung nicht auch auf die kritische Vermittlung der Hymne und ihrer Geschichte an Schülerinnen und Schüler im Bundesland Salzburg einigen konnte. Mit der Einsetzung einer Fachkommission sei jedoch ein richtiger erster Schritt getan, dem ein zweiter folgen sollte: die Überarbeitung der alten Hymne bzw. besser die Ausschreibung für eine neue, zeitgemäße Salzburger Landeshymne.

Bereits 2023 hat sich die IG Autorinnen Autoren mit österreichischen Hymnen beschäftigt und in einem offenen Brief an die Landeshauptleute u.a. die Salzburger Landeshymne als problematisch eingestuft. Am 29. Jänner 2024 fand im Literaturhaus Salzburg die Veranstaltung „O du mein Österreich! O Salzburg! Von Hymnen und Straßennamen“ mit Vorträgen von Ludwig Laher (Schriftsteller) und Gerhard Ruiss (Geschäftsführer IG-Autorinnen Autoren) und einer Diskussion mit der Historikerin Sabine Veits-Falk (Leiterin des Stadtarchivs Salzburg) statt. Dabei wurde auch eine kritische Aufarbeitung gefordert. Als Mitglied des Salzburger Landeskulturbeirats (LKB) brachte Friedmann bereits im November 2023 den Antrag auf ein Schreiben an die Salzburger Landesregierung für eine Diskussion sowie die Überarbeitung der Online-Information über die Hymne auf der Homepage des Landes Salzburg ein. Der Brief des LKB an die Landesregierung blieb unbeantwortet.

Am 26. Oktober 2024 erscheint im Pustet Verlag (pünktlich zum Nationalfeiertag) das Buch „O du mein Österreich“ (Christoph Janacs, Ludwig Laher, Gerhard Ruiss), welches sich näher mit den österreichischen Hymnen beschäftigt.