Camel Travel

Mi, 10.02.2021, 19.30 Uhr / Abgesagt

Genre: Lesung & Gespräch

Veranstalter: prolit

Eintritt: € 8/6

© Helmut Lunghammer

„Wenn ich meine Mutter irgendwohin begleitete oder in der Küche herumhing, während sie das Abendessen kochte, war meine Lieblingsfrage: ‚Mama, kennst du Lenin?‘ Ich wollte ihr unbedingt erzählen, was ich in der Schule erfahren hatte. ‚Nein, kenn ich nicht‘, antwortete sie regelmäßig (…)“


Mit Leichtigkeit und feinem Witz erzählt die belarussische Autorin Volha Hapeyeva in ihrem autobiografisch grundierten Roman „Camel Travel“ von einer Kindheit und Jugend in der zerfallenden UdSSR Ende der 1980er Jahre. In kurzen Kapiteln werden kleine wie große, private wie kollektive Themen verhandelt. Die Schilderungen zeigen so manche „Tücken“ des Systems und der postsowjetischen Umbrüche, sie zeigen aber auch, wie diesen mit Kreativität, Humor und Eigensinn begegnet wird. Nicht zuletzt zeichnet der Roman den Weg der Erzählerin zu einer kritischen und politischen Frau im heutigen Belarus. Der Ursprung des Widerstands, den die gegenwärtigen Großdemonstrationen zeigen, lässt sich aus diesem ehrlichen Text herauslesen.

Volha Hapeyeva, geboren 1982 in Minsk/Belarus, ist Autorin (Prosa, Lyrik, Drama, Kinderbuch), Übersetzerin und promovierte Linguistin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Hapeyeva ist Mitglied des PEN-Zentrums Belarus und des unabhängigen Schriftstellerverbandes Belarus. Ihre Gedichte wurden in mehr als 10 Sprachen übersetzt (2020 erschien auf Deutsch der Band „Mutantengarten“). „Camel Travel“ ist ihr Debütroman, erschienen im Droschl Verlag.