Lucia Heilman, Heinz Patzelt, Renata Schmidtkunz, Ludwig Laher & Marie-Christine Klettner

Salzburger Bücherverbrennung 1938:2019 | Zivilcourage gestern : heute

Di, 30.04.2019, 19 Uhr / Salzburg Museum, Mozartplatz 1

Genre: Gespräch, Rede, Musik

Veranstalter: Initiative Freies Wort, Salzburg Museum, Literaturhaus, Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte, IKG, Salzburger Autorengruppe, Friedensbüro, Zweig Centre, Komitee Stolpersteine, Bibliothek für Zukunftsfragen, Katholische Aktion, KZ-Verband/VdA Salzburg

Eintritt: frei

„Das blutige Rot der Scheiterhaufen ist immergrün. Einen dieser Scheiterhaufen haben wir, mit bloßem Auge, brennen sehen. […] Ich hatte angesichts des Scheiterhaufens nicht aufgeschrien. Ich hatte nicht mit der Faust gedroht. Ich hatte sie nur in der Tasche geballt. Warum erzähle ich das? […] Weil, immer wenn von der Vergangenheit gesprochen wird, auch von der Zukunft die Rede ist. […] Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird.“
Erich Kästner in Hamburg 1958 zur 25. Wiederkehr der nationalsozialistischen Bücherverbrennung von 1933

In Erinnerung an die Salzburger Bücherverbrennung vom 30. April 1938 durch die Nationalsozialisten auf dem Residenzplatz setzt die Initiative Freies Wort in Kooperation mit -zig Institutionen und Unterstützung der Kulturabteilungen von Stadt und Land ein Zeichen gegen Intoleranz und für Mitsprache und Solidarität.

Für den 30. April 2019 wurden die NS-Überlebende, Wiener Ärztin und 89-jährige Zeitzeugin Lucia Heilman und der Generalsekretär von Amnesty International Österreich, der Jurist Heinz Patzelt, eingeladen, um ab 19 Uhr in der Max-Gandolph-Bibliothek mit der Ö1-Redakteurin Renata Schmidtkunz über „Zivilcourage gestern : heute“ zu diskutieren. Danach, um ca. 20.30 Uhr, sind alle eingeladen, beim Mahnmal „Buchskelett“ am Residenzplatz die Rede des Autors Ludwig Laher zu hören – sowie die Glockenspiel-Komposition „S’brent“ von Mordechaj Gebirtig, deren Melodie von der Geigerin Marie-Christine Klettner aufgenommen wird.

Das Gedächtnis an die Salzburger Bücherverbrennung schien fast 50 Jahre wie gelöscht. 1987 erinnerte erstmals die Salzburger Autorengruppe daran: Erich Fried nahm in seiner aufrüttelnden Rede den Vandalenakt zum Anlass, von der Vernichtung des Buches als einem symbolischen Zeichen der Auslöschung von Geist, Freiheit und Emanzipation zu sprechen. Es dauerte wieder 20 Jahre, bis der Residenzplatz erneut zum Ort der Mahnung wurde: „Hier stehen wir und gedenken der Bücherverbrennung“, sagte Robert Schindel, „indes ununterbrochen in vielen Teilen der Welt Menschen verbrannt werden. Achten wir darauf, dass jene Symbol­akte uns nicht und nie den Blick verstellen für die aktuellen Barbareien, die unter unseren Augen geschehen.“ 2013 – inzwischen waren an der St. Michaels-Kirche eine Gedenktafel und im Innenhof des Uniparks Nonntal ein Mahnmal errichtet worden – nahmen an 22 Veranstaltungen u.a. Felix Mitterer, Barbara Coudenhove-
Kalergi, Oliver Rathkolb, Erich Hackl, Marko Feingold und über zweitausend Menschen teil. Seit 2018 gibt es das offizielle Mahnmal von Fatemeh Nadiri und Florian Ziller; Schriftsteller Michael Köhlmeier hielt eine Rede.