Dienstag,
25.06.24
01:52

Winterkind

Eintritt Regiebeitrag: E 3

Maria Linschinger

Veranstalter: Salzburger Autorengruppe

Winterkind

Veranstalter: Salzburger Autorengruppe

„… Ich ging nicht mit zum Einkaufen. Es interessierte mich nicht. Das Essen war etwas ganz Normales. Und Spielen war viel wichtiger. In unserer Gasse gab es sieben Kinder, dazu meinen Bruder und mich. Die älteren unter uns waren noch Kriegskinder, die schafften an, was gespielt wurde: An der Bretterwand der Spenglerwerkstatt stand der „Ochs“. Er drückte die Stirn an seinen Unterarm, und wir rückten leise in einer Reihe zu ihm vor. Wenn er sich plötzlich umdrehte und sein „Ochs am Berg“ rief, standen wir still, wie versteinert. Wackelte einer, so musste er zurück. Wer als Erster den Ochsen erreichte und ihn antippte, war der Sieger und stellte sich als Nächster an die Bretterwand. Ich gehörte zu den mittleren Kindern, weil ich im ersten Jahr nach Kriegsende geboren worden war. Zwei Jahre nach mir kam mein Bruder zur Welt, und sobald er laufen konnte, lief er mir überall hin nach. Ich brauchte mich gar nicht umzuschauen, ich wusste, er war hinter mir. Das war unpraktisch. Wenn ich hinfiel und mir die Knie blutig schlug, fiel Hansi auch hin. Ich schrie nicht, er aber heulte so laut wie die Sirene am Samstag zu Mittag …“ (aus „Winterkind“). Maria Linschinger wurde 1946 in Jenbach in Tirol geboren und ist dort im Handwerkerhaushalt der Eltern aufgewachsen. Nach Studienjahren in Wien und Salzburg kam sie 1972 ins Salzkammergut, wo sie bis 2001 als Lehrerin tätig war. Seit 1989 veröffentlichte sie zwei Jugendromane und die Erzählung „Stragula“ unter ihrem Pseudonym Maria Eliskases. 2003 erhielt sie das Mira-Lobe-Stipendium. Der Roman „Winterkind“ erschien 2004 im Verlag Bibliothek der Provinz.