Mittwoch,
06.04.05
20:00

überschätzt / unterschätzt

Eintritt 6/4

Josef Winkler

Veranstalter: prolit

überschätzt / unterschätzt

Veranstalter: prolit

Kanon, der (griech.-lat.): eine Rangliste der Bedeutung, eine Reihe der als wertvoll angesehenen Werke und Autoren; weist Tendenzen zu Traditionalismus und Normativität auf und baut auf den Objektivierungsschein des sozialen Konsens, den er wiederum selbst stützt. Es gibt Bücher, die über Generationen die Vorstellung von Menschen geprägt haben, sodaß diese schlußendlich ihre Leseerfahrung für die Wirklichkeit nehmen. Aber was richten solche Bücher an, wenn sie ihren Ruf zu Unrecht genießen und ihre Leser auf eine falsche Fährte setzen? Vielleicht gehört Heinrich Bölls ‚Irisches Tagebuch‘ zu jenen Klassikern, die nur einmal einer genaueren, tieferen Betrachtung bedürfen, um sie zu entzaubern? Und warum eigentlich wird Jean Genets Roman ‚Notre Dame des Fleurs‘ in die Reihe der Bücher gestellt, die immer noch eine dürftige Existenz als Geheimtip fristen? Wäre es nicht höchst an der Zeit, einem der herausragenden literarischen Werke des 20. Jahrhunderts Aufmerksamkeit zu schenken? Der Schriftsteller Josef Winkler hält Bölls Aufzeichnungen für überschätzt und Genets Roman für unterschätzt, weil zu wenig wahrgenommen. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Im Gespräch mit dem Literaturkritiker Anton Thuswaldner stehen jedenfalls zwei Bücher zur Diskussion, über die wohl nie Einhelligkeit herrschen wird. Josef Winkler, 1953 geboren in Kamering bei Paternion, Kärnten, lebt seit 1982 als freier Schriftsteller, vorwiegend in Klagenfurt. Für seine Publikationen erhielt er zahlreiche Preise; zuletzt erschienen die Erzählung ‚Wenn es soweit ist‘ (1998), ‚Natura morta‘ (2001), ‚Leichnam, seine Familie belauernd‘ (2003). Veranstalter: prolit