Montag,
21.05.01
20:00

Träume

Eintritt 50,-/ 25,-

Günter Eich

Veranstalter: Literturhaus, NWDR

Träume

Veranstalter: Literturhaus, NWDR

Einleitung: Manfred Mittermayer Die Radio-Ausstrahlung des Original-Hörspiels „Träume“ im Jahr 1951 wird als Geburtsstunde des modernen Hörspiels gefeiert. Günter Eich, der für „Träume“ den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden erhielt, gilt seitdem als Klassiker des literarischen Hörspiels. Die Menschen rund um die Welt träumen nichts Gutes mehr. Sie haben Albträume – auch wenn sie sie tagsüber vergessen und scheinbar unbeschwert weiterleben. Inwendig wirken diese Träume, denn sie kommen aus Bedrohungen, Ängsten und bösen Erfahrungen, die mit der täglichen Wirklichkeit zu tun haben. Darum können sie ebensowenig vergessen werden wie eine Krankheit, deren Ursache fortbesteht, obwohl die Symptome kuriert wurden. Im ersten Traum fährt ein Zug seit undenklichen Zeiten durch die Nacht. Nur die Alten erinnern sich noch einer Welt, in der es einen Himmel mit einer Sonne gab. Die Jungen bezweifeln, daß es etwas anderes gibt als den rollenden Zug. Alle haben Angst vor der Welt da draußen. Aber die freiwillige Selbstreduzierung nützt nichts: Der Zug rast in den Abgrund. Dieser Traum ist beispielhaft für alle folgenden: Freiwillig beschränken sich die Menschen, freiwillig unterwerfen sie sich, aber sie können die Katastrophe nicht verhindern, indem sie sich unter ihr hinwegducken. Die Bedrohung bleibt. Im ersten Traum ist das Glück nur eine vage Erinnerung, im zweiten weniger als eine Hoffnung, im dritten ein Selbstbetrug, im vierten ist das Glück das Vergessen und im fünften nur noch leere Hülle. Die Frage nach dem Glück, die sich durch alle Träume zieht, bleibt unbeantwortet. Günter Eich, geboren am 1. Februar 1907 in Lebus an der Oder (Deutschland), gestorben am 20. Dezember 1972 in Großgmain bei Salzburg. Studium der Rechtswissenschaft und Sinologie, seit 1932 Schriftsteller, Soldat im 2. Weltkrieg. 1953 heiratete er die österreichische Dichterin Ilse Aichinger, seit 1954 lebte er in Großgmain. 1959 erhielt er den Georg Büchner-Preis. Veröffentlichungen: „Abgelegene Gehöfte“ (Gedichte, 1948), „Der Tiger Jussuf“ (Hörspiel, 1952), „Die Mädchen aus Viterbo“ (Hörspiel 1953), „Botschaften des Regens“ (Gedichte, 1955), „Maulwürfe“ (Kurzprosa, 1968), „Ein Tibeter in meinem Büro“ (Kurzprosa, 1970) etc.