Donnerstag,
29.06.06
20:00

Michael Gielen: Unbedingt Musik

Eintritt E 6/5

Veranstalter: Verein Literaturhaus

Michael Gielen: Unbedingt Musik

Veranstalter: Verein Literaturhaus

„Ach, Sie dirigieren heute abend? Und was machen Sie tagsüber?“ Emigrant und Außenseiter – als Dirigent weltweit bekannt und als Komponist hoch geschätzt, ist Michael Gielen eine Institution der internationalen Musikwelt. Doch einer der Bequemen war er nie. Offenheit und Mut zu direkten, freimütigen Äußerungen kennzeichnen auch seine Erinnerungen, in denen er sein Leben und seine Begegnungen mit Furtwängler, Karajan, Kleiber, Klemperer und vielen anderen spannend erzählt. „Ich habe immer gemeint – und meine noch immer Funktion von Kunst und Musik sei es, den Menschen die Konflikte ihrer Zeit und ihres Inneren paradigmatisch vorzuführen – und nur das sei die Wahrheit der Kunst.“ Michael Gielen liest aus seinem Buch „Unbedingt Musik. Erinnerungen“ (Insel Verlag, 2005). Der Abend wird moderiert von Albert Lichtblau, gemeinsam mit Alois Pluschkowitz und Chiel van der Kruit Macher des Films „Wer ist Michael Gielen?“ (2002, 39 Minuten), der anschließend gezeigt wird. Michael Gielen, geboren 1927 in Dresden als Sohn des späteren Burgtheaterdirektors Josef Gielen, wächst in Berlin auf. Die Machtübernahme durch die Nazis zwingt die Familie in die Emigration, zuerst nach Wien, später nach Argentinien. Als Korrrepetitor am Teatro Colón begegnet er den großen Dirigenten seiner Zeit (Kleiber, Busch, Furtwängler) und erlebt die ersten grandiosen Auftritte der Maria Callas. Als er mit 22 Jahren das gesamte Solo-Klavierwerk von Arnold Schönberg aufführt, wird er bekannt. 1950 kehrt Gielen nach Wien zurück, arbeitet als Kapellmeister an der Staatsoper – mit Clemens Krauss, Herbert von Karajan, Dimitri Mitropoulos und Karl Böhm. Dann folgen Jahre als Chefdirigent in Stockholm, Brüssel und Amsterdam. Zur wichtigsten Station seiner Dirigentenkarriere wird Frankfurt am Main: Die zehn Jahre als Opernchef bezeichnet Gielen als „zentrales Ereignis“. Die Zusammenarbeit mit Christof Bitter und Klaus Zehelein, Ruth Berghaus und Hans Neuenfels begründeten die „Ära Gielen“ (1977-98). Er bekam viele Preise und Auszeichnungen, zuletzt den „Cannes Classical Lifetime Achievement Award 2002“. Büchertisch: Rupertus Buchhandlung