Freitag,
07.03.97
19:30

L’age legal

Eintritt frei

Jean Luc Cornec

Veranstalter: Literaturhaus

L’age legal

Veranstalter: Literaturhaus

Zum literarischen Programmschwerpunkt OULIPO Ende April 1997 wird an diesem Abend in der Reihe „Europa der Muttersprachen“ die Ausstellung „L’age légal“ (Die Volljährigkeit) von Jean Luc Cornec eröffnet. Es spricht Dr. Peter Kuon von der Universtität Salzburg (Institut für Romanistik). Jedem Spiel liegt ein Regelsystem zugrunde. Kinder haben oft die Angewohnheit, diese Regeln willkürlich zu ändern, meist, um ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Und siehe da: Jedes Spiel läßt sich auch ganz anders, nach einem ganz anderen System spielen! In diesem spielerischen Sinn stellt Jean Luc Cornec das System ins Zentrum seines künstlerischen Schaffens: Über Umkehrung oder quasi experimentelle (z. B. chirurgische) Eingriffe in Regelsysteme hinterfragt er diese. Es geht dem Künstler dabei weniger um die Frage der Willkürlichkeit und damit der Entstehung der Systeme, die unser Leben regeln – das interessiert Linguisten, Semiotiker, Philosophen – als vielmehr um die unendlichen Möglichkeiten, die das Experiment aufzuzeigen vermag. Dabei obliegt es dem mitspielenden Betrachter, die vom Künstler festgelegten Voraussetzungen zu erfassen und das Reich der möglichen Konsequenzen gedanklich abzuschreiten. Daß dabei Humor und Witz eine Rolle spielen, läßt sich nicht vermeiden. Und fast unmerklich, spielerisch, stellt diese Vorgehensweise auch den Akt des Wahrnehmens auf den Prüfstand und bringt seinen Mechanismus zum Wackeln. Es überrascht nicht, daß Jean Luc Cornec seine Methode an dem Regelsystem der Sprache entwickelte und dann erst zur visuellen Umsetzung fand. Auch heute spielt das sprachliche System eine wichtige Rolle: als Ausgangspunkt oder aber als Ergänzung, die sich (überraschend auch für den Künstler) erst im Laufe des Experiments oder nach Abschluß von selbst ergibt. So enstand der Titel eines Objekts – eines Chamäleons, das sich nicht über farbliche Anpassung an seine Umgebung tarnt, sondern auf dem sich die Tiere der Schöpfung paarweise als Reptilhaut tarnen – erst nachträglich als Palindrom „Noé le Mac“ (Noah, der Zuhälter), rückwärts gelesen: cameleon. Jean Luc Cornec, geboren am 10. Oktober 1955 in Lannilis (Frankreich), Studium an der Ecole des Beaux-Arts in Nantes, Arbeitsaufenthalte in Düsseldorf, Köln und Moskau, Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Berlin, Köln, Dresden, Frankfurt, Münster, München u. a. Städten, lebt seit 1990 in Frankfurt am Main.