Mittwoch,
22.10.03
20:00

Das Handwerk des Tötens

Eintritt Euro 6/ 4

Norbert Gstrein

Veranstalter: Verein Literaturhaus

Das Handwerk des Tötens

Veranstalter: Verein Literaturhaus

Einleitung: Veronika Leiner „Obwohl Norbert Gstrein mit unserer Vergangenheit nichts oder nicht viel zu tun hat, hat er alles zu tun mit unserer Zukunft. Wir warten auf seine neuen Bücher. Ich erwarte sie.“ Jorge Semprun braucht nicht länger zu warten, der neue große Roman des österreichischen Schriftstellers ist da, ein Buch über die jüngsten Balkan-Kriege, ein Buch über Gewalt und Haß, aber auch ein Buch über die Liebe: „Das Handwerk des Tötens“ (Suhrkamp Verlag, 2003), der Autor liest daraus. Im Sommer 1999 kommt der österreichische Journalist Christian Allmayer, der seit den ersten Schüssen über den Zerfall Jugoslawiens berichtet hat, bei einem Hinterhalt im Kosova um. Paul, ein verhinderter Schriftsteller und Verfasser von Reiseberichten, der ihn aus seiner Studienzeit kennt, nimmt das zum Anlaß, einen Roman über Leben und gewaltsamen Tod dieses zum Fall gewordenen Mannes zu schreiben. Auf dessen Spuren fährt er gemeinsam mit seiner Freundin Helena, deren Eltern aus Dalmatien stammen, und dem namenlosen Ich-Erzähler durch frühere Kampfgebiete in Kroatien und Bosnien, um sich inmitten der immer noch sichtbaren Verwüstungen ein Bild von der Arbeit eines Kriegsberichterstatters zu machen. Dabei sucht Paul auch einen seither zum „Entertainer“ aufgestiegenen ehemaligen Kriegsherrn auf, den Allmayer damals an der serbisch-kroatischen Front interviewt hat, und stellt ihm dieselbe Frage wie er: „Wie ist es, jemanden umzubringen?“ Auch ohne Antwort öffnet sich durch diese Begegnung für ihn der Abgrund einer Geschichte, deren düsteres Licht selbst auf den zunächst unbeteiligt erscheinenden Beobachter fällt. Am Ende muß er erkennen, daß man nicht ungestraft Erkundungen nach einem der letzten Dinge anstellt. Norbert Gstrein, geboren am 3. Juni 1961 in Mils (Tirol), lebt zur Zeit in London und Hamburg. Bekannt seit seinem ersten Buch, der Erzählung „Einer“ (1988). Seitdem mehrere Prosabände, zuletzt „Die englischen Jahre“ (Roman, 1999), „Selbstportrait mit einer Toten“ (2000) und gemeinsam mit Jorge Semprun „Was war und was ist“ (2001).