Freitag,
07.04.00
20:00

Als gäbe es mich nicht

Eintritt öS 80.-/50.-

Slavenka Drakulic

Veranstalter: prolit

Als gäbe es mich nicht

Veranstalter: prolit

März 1993. In einem Krankenhaus im schwedischen Exil bringt die bosnische Lehrerin S. ein Kind zur Welt. Ein Kind der Gewalt und des Kriegs, seine Väter eine Vielzahl serbischer Soldaten, namenlos und ohne Gesicht. Mai 1992. Serbische Milizen räumen ein bosnisches Dorf, die Männer werden erschossen, Kinder und Frauen in ein Lager gebracht, einige von ihnen in den „Frauenraum“, wo sie Nacht für Nacht den Soldaten verfügbar, Folter und Vergewaltigungen als Teil eines Plans zur ethnischen Säuberung ausgesetzt sind. Der Vertreibung aus der Heimat folgt jene aus dem eigenen Körper, folgt die Zerstörung der Individualität der Frauen. Die Erfahrung des Lagers ist für S. eine von Erniedrigung, Ohnmacht und Entwürdigung, vom Verlust des Gefühls, Mensch zu sein. „Auf ein Mindestmaß zurückgeführt, auf das bloße Dasein“, ist Überleben für S. nur möglich durch Abspaltung und Aufgabe ihrer Geschichte und Identität, „als gäbe es mich nicht.“ Der Roman der Journalistin und Autorin Slavenka Drakulic setzt dort an, wo für die vergewaltigten Frauen die Grenze des Sagbaren ist. Bei Gesprächen mit betroffenen Frauen ist Drakulic immer wieder auf Aussparungen, Lücken und Schweigen gestoßen, und darauf, daß die Erfahrung der Gewalt nicht mitteilbar ist. Auf der Grundlage von Tonbandprotokollen geschrieben, ist dieses Buch der Versuch, eine Sprache zu finden für das Unsagbare. Slavenka Drakulic, geb. 1949 in Kroatien, ist Schriftstellerin und Journalistin von internationalem Rang, ihre Romane und Essaybände sind in viele Sprachen übersetzt, Reportagen und Essays erscheinen in Zeitungen rund um die Welt. Veröffentlichungen „Das Prinzip Sehnsucht“ (1989); „Wie wir den Kommunismus überstanden – und trotzdem lachten (1991); „Sterben in Kroatien – Vom Krieg mitten in Europa“ (1992); „Das Liebesopfer“ (1997); „Marmorhaut“ (1998).