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Montag, 2. April 2001
20 Uhr  
 
Ludwig Laher       
Herzfleischentartung
Buchpräsentation

Eintritt: öS 80,-/ 50,-
Veranstalter: GAV/ Friedensbüro/ Literaturhaus

© Herbert Huber

Als Folter, Mord und Totschlag im Arbeitserziehungslager Weyer des Reichsgaus Oberdonau durch die Initiative eines Arztes auffliegen, läßt die Gauleitung zur Jahreswende 1940/41 das Gelände räumen, die Häftlinge nach Mauthausen einweisen und alle Dokumente verschwinden. Ein Staatsanwalt aus Ried im Innkreis bereitet gegen den erbitterten Widerstand der Partei Prozesse vor, die Haupttäter werden verhaftet, über hundert Zeugen befragt und sogar die skandalösen Einweisungsumstände minutiös rekonstruiert. Derweil interniert man Sinti und Roma aus ganz Oberdonau im Lager Weyer, zieht sie zur Zwangsarbeit heran, Menschen sterben, auch Kinder. Die letzten 301 überlebenden „Zigeuner“ werden nach Lodz deportiert und ermordet. Niemand überlebt.

Hitler selbst schlägt unterdessen die Verfahren nach 16 Monaten Vorerhebungen nieder, als die Anklageschriften fertig sind. Nach dem Krieg kommt es zwar zu Verurteilungen durch die Volksgerichte, Persilscheine von ÖVP, SPÖ und KPÖ tragen jedoch erheblich zu den geringen Strafrahmen für die Schuldigen bei. Falsche Behördenauskünfte und eigenwillig bearbeitete Akten verwischen schließlich in den 50er Jahren die Spuren der Opfer. Ludwig Laher skizziert in seinem neuen Roman „Herzfleischentartung“ (Haymon Verlag, 2001) ein genau recherchiertes Panorama der österreichischen Provinz zwischen 1940 und 1955: Den Auswüchsen der „ordentlichen Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches“ und den hohlen Pfeilern der frühen Zweiten Republik ist selten ein Autor so schonungslos zu Leibe gerückt.

Ludwig Laher, geboren am 11. Dezember 1955 in Linz, lebt als Schriftsteller in St. Pantaleon (Oberösterreich). Schreibt Prosa, Lyrik, Essays, Hörspiele, Drehbücher und Übersetzungen sowie wissenschaftliche Arbeiten. Mehrere Bücher, zuletzt „Selbstakt vor der Staffelei“ (Erzählung, 1998) und „Wolfgang Amadeus Junior: Mozart Sohn sein“ (Roman, 1999).

 
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