George Tabori
Karl Müller

Mutters Courage

Mo, 16.03.1998, 20 Uhr

Genre: 56. Hörspielmontag (Einleitung: Karl Müller)

Veranstalter: Literaturhaus

Eintritt: frei

Zur Wehrmachtsausstellung in Salzburg präsentiert das Literaturhaus an diesem Abend das Hörspiel „Mutters Courage“ (RIAS/ NDR/SDR 1979, 95 Minuten) des bekannten Schriftstellers, Schauspielers und Regisseurs George Tabori. Die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes ist bei Tabori ein Motiv, das zyklisch immer wieder in seinem Werk auftaucht, aber es hat in „Mutters Courage“ sicherlich seinen persönlichsten Ausdruck gefunden. Tabori erzählt die Geschichte der Deportierung seiner Mutter nach Auschwitz und die Geschichte ihrer Rettung, einer Rettung durch das, was Tabori ihre „Courage“ nennt. In Taboris vielleicht zärtlichster Geschichte nimmt sich Sohnesliebe die Freiheit, nichts über die Mutter zu verschweigen, Tabus zu mißachten – gewissermaßen im stillen Einverständnis mit ihr. Es ist auch eine Geschichte über das Geschichtenerzählen – und über Geschichte, deren Grausamkeit, wie immer bei Tabori, durch Komik und Witz begreifbar und zugänglich gemacht wird. George Tabori, geboren 1914 in Budapest, arbeitete zuerst als Journalist. Flucht vor den Nazis über Wien und Prag nach London und schließlich in die USA. In den 50er Jahren erste Bühnenstücke, Drehbücher und Übersetzungen. Nach Deutschland kam er zur Inszenierung seines Stückes „Kannibalen“ am Berliner Schiller-Theater. 1981 wurde ihm für seine Hörspielarbeit der „Große Berliner Kunstpreis“ verliehen, 1985 der neugeschaffene „Frankfurter Hörspielpreis“. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und Stücke inszeniert (zuletzt Samuel Becketts „Endspiel“ am Wiener Akademietheater).