Lange Hörspiel-Nacht 2021 - ABGESAGT

Fr, 26.02.2021, 19 Uhr / Abgesagt

Genre: Präsentation ausgewählter ORF-Hörspiele aus 2020

Veranstalter: Verein Literaturhaus, ORF/Ö1

Eintritt: frei

In der diesjährigen Ö1-Literaturhaus-Hörspiel-Nacht werden drei ORF-Hörspiele aus dem Jahr 2020 der österreichischen Autoren Magdalena Schrefel, Thomas Arzt und Konrad Bayer/Franz Schuh präsentiert sowie ausgewählte Track5-Stücke zum Thema „Was wirklich geschah“. Moderation: Karin
Buttenhauser und Tomas Friedmann.

LAUTE NÄCHTE (ORF, 45 Min., Regie: Andreas Jungwirth) von Thomas Arzt ist die Geschichte zweier Liebender. Eine junge Frau und ein junger Mann, nachts, beim Tanzen. Das ist die Geschichte. So einfach. „Laute Nächte“ erzählt von Anna und Martin, die einander in einem Club begegnen. Aber es ist nicht die laute Musik, warum sie nicht miteinander sprechen können. Anna ist gehörlos. Das kann Martin ihr nicht ansehen und versteht Annas Verhalten als Ablehnung. Anna hat Erfahrung, was passiert, wenn ihr Gegenüber davon erfährt. Schließlich gilt sie auch im 21. Jahrhundert als behindert. Zurückweisung, Verständnis, Mitleid – das alles kennt sie, das alles will sie nicht wieder und wieder erleben. Aber Martin bedeutet ihr etwas, und so offenbart sie sich ihm mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln: „Ich kann dich nicht hören. Was bitte soll das Problem sein?“ denkt Martin. „Wann sehen wir uns wieder?“, liest Anna von seinen Lippen.

Thomas Arzt, geboren 1983 in Schlierbach (OÖ), lebt in Wien. Schreibt Theaterstücke und Hörspiele. 2021 erscheint im Residenz Verlag sein Romandebüt „Die Gegenstimme“.


EIN BERG, VIELE (BR/ORF-Kunstradio, 52 Min., Regie: Teresa Fritzi Hoerl) von Magdalena Schrefel ist eine akustisch-imaginäre Entdeckungsreise rund um einen erfundenen Berg. Als sich der britische Geograf James Rennell im ausgehenden 18. Jahrhundert von seinem Lehnstuhl aus den Verlauf des Flusses Niger nicht anders erklären konnte, erfand er das Gebirgsmassiv „Kong-Berge“. Für die nächsten 150 Jahre tauchten die erdachten Berge in fast allen Landkarten des afrikanischen Kontinents auf. Mit dieser Geschichte verknüpft wird die Begegnung einer Hörspielautorin, die den Fall lösen will, mit dem „Sandflüchtling“ Ismael, der sie zu einem Lager namens Mount Kong führt. Das BR-Hörspiel des Monats Oktober 2020 ist „vor allem ein Hörspiel darüber, dass es kein unschuldiges Erzählen gibt, dass das Geschichtenerzählen immer auch davon handelt, wer erzählen kann, wer gehört wird und wem man Glauben schenkt.“ (Schrefel)

Magdalena Schrefel, geboren 1984 in Korneuburg (NÖ), lebt in Berlin. Schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen, zuletzt „Ein Berg, viele“ (UA 2020 Schauspielhaus Leipzig und BR/ORF-Hörspiel).

KASPERL AM ELEKTRISCHEN STUHL (ORF, 47 Min., Regie: Philipp Scheiner) ist ein Hörspiel von Franz Schuh – er spricht auch alle Rollen – nach dem gleichnamigen Theaterstück von Konrad Bayer. Der Wiener Dandy-Autor Konrad Bayer (1932-1964) war Mitglied der Wiener Gruppe und schrieb provokant-avantgardistische Literatur. Die Provokation war programmatisch und bestand im experimentelle Versuch, Sprachroutinen aufzubrechen und so das Bewusstsein von Denkgewohnheiten zu befreien. Humor spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle wie Melancholie und Aberwitz – Kulturtechniken, die der Philosoph und Schriftsteller Franz Schuh beherrscht. Die Figuren dieses Sprechtheaters zeigen sich zunehmend von ihrer eigenen Sprache überwältigt und entgleiten ihr – oder umgekehrt. Und worum geht es? Der Text kokettiert damit, dass es keine Handlung im eigentlichen Sinn gibt, vielmehr ist es ein Metatheater, angelegt als Stück im Stück.

Franz Schuh, geboren 1947, wo er als Schriftsteller, Philosoph und Essayist lebt. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt „Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks“ (Zsolnay 2017). Zahlreiche Auszeichnungen.