Noémi Kiss

Dürre Engel

Mo, 10.02.2020, 19.30 Uhr

Genre: Lesung & Gespräch

Veranstalter: prolit

Eintritt: € 8/6

Ungarn, eine Kleinstadt in den 1980er Jahren. Die 40-jährige Volksschullehrerin Lívia wartet nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus auf ihren Prozess – sie hat ihren Ehemann Öcsi im Affekt erstochen. In der Rekonvaleszenz geht sie der Frage nach, was sie zu dieser Tat geführt hat, an welchem Punkt ihr Leben aus der Bahn geraten ist.
 
Noémi Kiss entwirft ein faszinierendes Bild vom ungarischen Alltag kurz vor Ende des Sozialismus bis in die erste Zeit nach der Wende. In ihrer lyrischen, doch zugleich gnadenlos direkten Sprache lässt sie die Protagonistin Rückschau auf ihr Leben halten und in beeindruckender Offenheit ihre Tat schildern sowie die Umstände, die sie dazu gebracht haben. Dabei werden zahlreiche gesellschaftliche Fragen angesprochen, von Liebe über Leiden, Kinderlosigkeit, Ausbildung, Erziehung bis hin zu sexueller Freiheit und häuslicher Gewalt.

Noémi Kiss, 1974 in Gödöll / Ungarn geboren, ist Autorin, Kritikerin und Essayistin. Sie studierte Hungarologie, Komparatistik und Soziologie, unter anderem in Konstanz. Auf Deutsch erschienen ihr Roman „Was geschah, während wir schliefen“ (2009)sowie der Band „Schäbiges Schmuckkästchen – Reisen in den Osten Europas“ (2015). „Dürre Engel“ ist im Europa Verlag erschienen.