Angela Krauß

Der Strom

Di, 04.06.2019, 19.30 Uhr / Galerie Untersberger-Kerschbaumer

Genre: Lesung & Gespräch

Veranstalter: prolit

Eintritt: frei

„Von der Erde ist mir so viel bekannt: Sie ist griffig, bebaut und bietet festen Boden unter den Füßen. Immer öfter muss ich mich ihrer versichern durch Berührung. Das Bedürfnis ist gewachsen, mein Berührungswunsch wird dringender, seitdem das Greifbare schwindet ...“

Es ist Sommer. Die Dichterin hält Mittagstisch an ihrem Platz neben dem Klavier, ihr Mäzen spielt Tennis, siebzehn Flugstunden weit weg, der Besitzer des französischen Restaurants bedient sie stets selbst. Die Oliven sind schwarz, fest und scharf.

Dieser lustvolle Weltbezug steht im Gegensatz zu einer Existenz der Askese, zu der niemand Zutritt hat. Beide Lebensplätze der Dichterin – Tisch und Klause – befinden sich in jenem Stadtviertel, von dem es vor dreißig Jahren hieß: Die Russen sind fort.

In einem dichten Strom verweben sich Erinnerungs- und Zukunftspartikel, verflechten sich in der heiter­lakonischen Sprache von Angela Krauß zu neuen Bildern von Welt und Wirklichkeit und entfalten die Konturen einer poetischen Existenz, in der die Wirklichkeit vibriert – und der Traum ganz handfest erscheint.

Angela Krauß, geboren 1950, lebt als freie Schriftstellerin in Leipzig. 2004 hielt sie die Poetik-Vorlesung an der Universität Frankfurt unter dem Titel „Die Gesamtliebe und die Einzelliebe“. 2013 erhielt sie den Wilhelm-Müller-Preis für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. „Der Strom“ ist im Suhrkamp Verlag erschienen.