Aref Hamza

Du bist nicht allein

Mo, 29.04.2019, 19.30 Uhr / Galerie Untersberger-Kerschbaumer, Wolf-Dietrich-Straße 4a

Genre: Lesung (kurdisch/dt.) & Gespräch

Veranstalter: prolit

Eintritt: frei

© Mathias Bothor

„Das Ertrinken beginnt im Moment, in dem der Schleuser den Ertrinkenden den nächsten Abfahrtstermin des morschen Bootes mitteilt. Durch das bloße Aussprechen des Abfahrtstermins ertrinken sie. Das Boot kippt um, gleitet ein wenig dahin, wie eine von der Strömung mitgerissene Kuh, und sinkt dann auf den Meeresgrund (...)“

Aref Hamza braucht wenig an Worten, um Großes zu fassen: den Krieg in Syrien und was er für den einzelnen Menschen bedeutet. Die Erfahrung von Flucht und Exil, den Verlust der Sprache, die Notwendigkeit, sich im Unvertrauten neu einzurichten. Die Lyrik dieses Bandes entstand in Syrien während des Kriegs, auf der Flucht in die Türkei und in Deutschland, wo Hamza sein Exil fand. Wie ein Kaleidoskop öffnen die lakonischen, teils in Prosa gehaltenen Gedichte, ihre oft unerwarteten Wendungen, ihr Sinn für das Groteske einen vielfach gebrochenen Blick auf die Beschädigungen im Ich. Im Zentrum steht das Detail, die Nahaufnahme, das Alltägliche, in dem sich erfassen lässt, was anders nicht fassbar ist.

Aref Hamza, 1974 in Al-Hakaseh im kurdischen Teil Syriens geboren, lebt in Buchholz (Deutschland) und gilt in der arabischsprachigen Welt als eine der bedeutendsten 
Stimmen seiner Generation. Er hat Rechtswissenschaften in Aleppo studiert und als Menschenrechtsanwalt gearbeitet. In arabischer Sprache hat er bislang sieben Gedichtbände, Essays und Artikel publiziert. Der Band „Du bist nicht allein“ ist in der Übersetzung von Sandra Hetzl im Verlag Secession erschienen.