Maria Stepanova

Nach dem Gedächtnis

Di, 27.11.2018, 19.30 Uhr

Genre: Lesung (russisch/deutsch)

Veranstalter: prolit, Universität Salzburg/Fachbereich Slawistik

Eintritt: € 8/6

© Valery Shibanov/SV

Moderation und Übersetzung: Eva Hausbacher


Im Zentrum von Maria Stepanovas Roman steht eine weitverzweigte jüdisch-russisch-europäische Familie von Ärzten, Architekten, Bibliothekaren, Buchhaltern und Ingenieuren, die in unzivilisierten, gewaltgeprägten Zeiten ein stilles, unspektakuläres Leben führen wollten. Liebesgeschichten und Reiseberichte, Reflexionen über Fotografie, Erinnerung und Trauma verbindet die Autorin zu einer spannungsvollen essayistischen Erzählung und zu einem Panorama einer Epoche. 


Maria Stepanova durchmisst einen Gedächtnisraum, in dem die Linien des privaten Lebens haarscharf an den Abbruchkanten der Epochenlandschaft entlangführen. Sie sichtet Dinge aus „der Bibliothek einer anderen, untergegangenen visuellen Kultur“, hinterlassen von Menschen, die sich wenig Mühe gaben aufzufallen: „Bei allen anderen bestand die Familie aus Teilnehmern der Geschichte, bei mir nur aus ihren Untermietern“. Prädestiniert, Opfer von Verfolgung und Repressionen zu werden, haben alle ihre Verwandten es geschafft, die Schrecken des 20. Jahrhunderts zu überleben. Der Frage, wie das möglich war, geht Stepanova in ihrem unvergleichlichen Buch nach.


„Maria Stepanova hat die Toten zu ihren Mitautoren gemacht. Das Ergebnis ist ein Buch, wie man es auf Russisch zuvor nicht kannte – und das in anderen Sprachen seinesgleichen sucht.“ (Novaja Gazeta)


Maria Stepanova, geboren 1972 in Moskau, ist Lyrikerin, Essayistin und Journalistin und eine der markantesten Gestalten des gegenwärtigen literarischen Lebens in Russland. „Nach dem Gedächtnis“ ist in der Übersetzung von Olga Radetzkaja im Suhrkamp Verlag erschienen.