Klaus Nüchtern

Kontinent Doderer. Eine Durchquerung

Mi, 25.01.2017, 19.30 Uhr

Genre: Lesung & Gespräch

Veranstalter: Verein Literaturhaus

Eintritt: € 8/6/4

Heimito von Doderer (1896-1966) gilt als einer der wichtigsten österreichischen Schriftsteller, sein bekanntestes Werk ist der Roman „Die Strudlhofstiege“ (1951), sein umfangreichstes „Die Dämonen“ (1956). Doderers Bücher sind spannend, handlungsstark, figurenreich und komisch – 50 Jahre nach dem Tod des Autors bilden sie einen fast vergessenen literarischen Kontinent. Dieser ist jetzt neu zu entdecken. Moderation: Norbert Wolf (Institut für Germanistik/Universität Salzburg).

Der Wiener Literaturkritiker Klaus Nüchtern folgt bei seiner Durchquerung des „Kontinents Doderer“ (C.H. Beck Verlag, 2016) strikt der eigenen Neugierde. Er durchmisst ganz Sibirien, wo der Autor im Kriegsgefangenenlager zum Schriftsteller wird, und steigt nicht nur die Stufen der berühmten Strudlhofstiege hinauf, sondern auch ins Souterrain schlecht ausgeleuchteter Hausflure hinunter, wo die von Doderer inbrünstig gehassten Hausmeister hausen.

Akribisch, aber nie akademisch, kritisch, aber nie verbissen, wird Doderers verschlungener Weg vom NSDAP-Mitglied zum gefeierten Über-Österreicher der Nachkriegszeit verfolgt. Nüchtern registriert die restaurativen Tendenzen Doderers ebenso wie dessen Tuchfühlung mit der Avantgarde und weist unter anderem nach, dass der passionierte Voyeur und arrogante Kinomuffel erstaunlich viel mit Alfred Hitchcock zu tun hatte.


Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Linz, lebt als Journalist, Kritiker und Kolumnist in Wien, wo er das Feuilleton der Zeitung „Falter“ leitet. Er verfasste mehrere Bücher, zuletzt „ok ist eh ok. Nüchtern betrachtet“ (2009), „Buster Keaton oder die Liebe zur Geometrie“ (2012) und „Früher waren die Friseure frecher“ (2013). 2011 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik.