Joseph Roth
Thomas B. Schumann / Peter Arp

Hiob

Fr, 26.03.1999, 20 Uhr

Genre: Vortrag (Schumann) & Schauspielerlesung

Veranstalter: Literaturhaus

Eintritt: öS 80,-/50,-

aeiou 1939, vor 60 Jahren, starb Joseph Roth in einem Pariser Armenhospital. 1933 war der bedeutende österreichische Schriftsteller emigriert. Im Jahr seiner Emigration schrieb er in einem Brief an Stefan Zweig: “Inzwischen wird es Ihnen klar sein, daß wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten - unsere literarische und materielle Existenz ist ja vernichtet - führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert." Thomas B. Schumann, deutscher Literaturwissenschaftler und Exilexperte, Gründer der Gesellschaft zur Förderung vergessener und exilierter Literatur und Leiter des Verlages “Edition Memoria", spricht an diesem Abend über Joseph Roth und dessen Roman “Hiob" aus dem Jahr 1930. Der Schauspieler Peter Arp liest nach einer Pause Ausschnitte aus dem Werk. Ab 22 Uhr wird der Dokumentarfilm “Reise nach Brody. Auf den Spuren von Joseph Roth" (ORF/3Sat 1993, 45 Minuten) von Egon Humer gezeigt. In seinem Vortrag behandelt Schumann zunächst die wechselvolle Rezeptionsgeschichte Roths vom angesehenen Schriftsteller der Weimarer Republik über den in Vergessenheit geratenen “verbrannten" Autor bis zum heutigen Publikumsliebling. Schumann schildert Roths rastlos-ahasverische, fast tragische Lebensgeschichte von der Geburt im galizischen Brody bis zum Tod als Emigrant und Alkoholiker in Paris. Schließlich wird Roths bedeutender Roman “Hiob" besprochen, die Geschichte von der leiderfüllten Heimsuchung und Erlösung des ostjüdischen Dorfschullehrers Mendel Singer, einer Reinkarnation der biblischen Gestalt im 20. Jahrhundert. In “Hiob" befaßt sich Roth außerdem mit wichtigen Fragen des Judentums wie Assimilation und Emigration. Joseph Roth, geboren am 2. September 1894 in Brody (Ostgalizien), gestorben am 27. Mai 1939 in Paris. Veröffentlichungen: “Hotel Savoy" (Roman, 1924), “Juden auf Wanderschaft" (Essay, 1927), “Die Flucht ohne Ende" (Roman 1927), “Radetzkymarsch" (Roman, 1932), “Die Kapuzinergruft" (Roman, 1938), “Die Legende vom heiligen Trinker" (Erzählung, 1939) u. a.