Erwin Einzinger

Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach

Fr, 05.03.2010, 20 Uhr

Genre: Lesung

Veranstalter: prolit, Rupertus Buchhandlung

Eintritt: frei

Einführung: Jochen Jung „Nur wenige Wochen später stand der Mann aus Hokkaido, der in seiner Heimat etliche wissenschaftliche Aufsätze in Journalen der Pilzforschung veröffentlicht hatte, irgendwo am Rand des Herzens von Europa an einem windigen Busbahnhof, wo Betrunkene an nach Pisse riechenden Betonwänden vorbeistreiften, als wären sie Niederwild auf der Spur. Er wischte über die Tropfen auf der Glasscheibe, hinter der die Fahrpläne hingen.“ Weiße Flecken scheint es auf der Erde nicht mehr wirklich zu geben, einerseits. Andererseits hat der Leser, wenn er diesen Roman gelesen hat, durchaus das Gefühl, mehr gesehen zu haben, als auf der Erde überhaupt Platz hat. Wie durch ein umgekehrtes Fernrohr geht der Blick auf die Horizonte, um sich anschließend liebevoll mit der Lupe all dem zuzuwenden, was einem so vor den Füßen liegt. Natürlich kann man von dem Geistlichen erzählen, der im Tabernakel des Benediktinerklosters Admont ein kleines, feines Rauschgiftdepot angelegt haben soll. Oder von der rumänischen Projektkünstlerin, die dabei ist, eine Serie mit Fotos von Kloteppichen zu machen, die sie einem deutschen Galeristen versprochen hat. Die Wahrheit aber ist, dass dieses Buch in seiner Fülle nicht nacherzählbar sein will: Es ist bis oben hin voller Geschichten, die über alle banalen Vorstellungen von Plot hinwegrollen. Der Leser liest und lacht und fühlt sich unterhalten wie lange nicht mehr. Erwin Einzinger, geboren 1953 in Kirchdorf/Krems, Studium der Anglistik und Germanistik in Salzburg. Lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Micheldorf. Zuletzt erschien: „Aus der Geschichte der Unterhaltungsmusik“ (Roman, 2005); „Hunde am Fenster“ (Gedichte, 2008); „Ein Messer aus Odessa“ (Gedichte, 2009).