Gert Jonke
Jochen Jung

Redner rund um die Uhr

Mo, 29.09.2003, 20 Uhr

Genre: Lesung

Veranstalter: prolit

Eintritt: Euro 6/ 4

Einleitung: Jochen Jung „Schreiben statt reden. Warum nicht gleich? Hätte wohl von allem Anfang an gleich schreiben sollen, mitschreiben zumindest. Zuerst schreiben, was zu sagen ist. Dem Mund notierend vorschreiben, was er gleich zu sagen hätte und auch wie. Schließlich kommt es ja darauf an, mich zu rehabilitieren, das Bild von mir zu korrigieren. Der Rufmord des Mundes hat mich ja fast völlig ruiniert. Wenn ich meinem Mund dergleichen vorwerfe, streitet er hingegen alles ab und behauptet, ich versuchte vielmehr umgekehrt, ihn zu ruinieren. Nein, er müsse sich gegen mich wehren und nicht ich gegen ihn.“ Die im neuesten Buch Gert Jonkes miteinander oder gegeneinander reden, sind ein Mund und sein Besitzer, und da sich gelegentlich eine Stimme aus dem Off einmischt, sind es vielleicht drei, die hier reden, oder es ist am Ende doch nur einer, der redet, rund um die Uhr. Es ist wie ein Streit der Hilfsverben, ein Widerstreit des Wollens und Möchtens gegen das Dürfen und Müssen, ein Widerstreit der Mündlichkeit gegen die Schriftlichkeit. Es ist das Suchen nach den richtigen Wörtern, das immer wieder mal mit dem Finden der falschen belohnt wird. Und es ist ein Suchen nach dem, was noch nicht in Sprache verfestigt, was noch nicht „vorausgeschrieben ist / mit dieser Hand mit diesem Stift“. Gert Jonke, geboren 1946 in Klagenfurt, lebt in Wien. 1977 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1997 den Erich-Fried-Preis und den Franz-Kafka-Literaturpreis, 1998 den Preis der Preußischen Seehandlung Berlin, 2001 den großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. Zuletzt erschienen: „Insektarium“ (2001) und der roman „Der Ferne Klang“ (2002).