Walter Grond

Textchirurgische Geschichten

Mi, 14.06.1995, 20 Uhr

Genre: Lesung

Veranstalter: Autoren und Leser

Eintritt: 70,-/ 40,-

Was die Lektüre dieser wahren Organ-Spende aus Prosa so lustvoll macht, ist einerseits der bewußte und gekonnte Umgang mit den Referenzautoren Pynchon und Conrad, andererseits die überzeugende Umsetzung des Konzepts eines Transplantationsprozesses, in dessen Verlauf Bruchstücke der heimischen Aktualität in einen Organbanken-Thriller buchstäblich eingepflanzt werden. Der Organraub-Plot wiederum ist eingearbeitet in Pynchon- und Conrad-Transplantate, zwischen denen Grond seine Story von der permanenten (Rück?)Verwandlung des Männlichen ins Weibliche mit Perfektion durchzieht. Drittens ist das Buch weder ein postmoderner Zitatenfriedhof noch das modische Altertümeln angstergebener Regredierer, sondern ein gelungener Versuch, spannende, nostalgieferne Literatur zu schreiben, die auch strukturell nicht hinter den bereits erarbeiteten Standards der ProsaORGANisation zurückfallen will und kann. (Herbert J. Wimmer, Falter 45/94)