Salzburg 1938 / 2013 : Zeichen gegen Vergessen und für Zivilcourage

05.11.2013
75 Jahre nach der Salzburger Nazi-Bücherverbrennung, am 30. April, setzte die Initiative Freies Wort ein mutiges Zeichen gegen Intoleranz und für Mitsprache. Ab 9 Uhr morgens nahmen rund zweitausend Menschen – darunter viele Jugendliche – an den engagierten Aktivitäten in der Stadt Salzburg teil.

22 Veranstaltungen wurden organisiert: Aktionen, Ausstellungen, Vorträge, Klangmobile, Lesungen, Glockenspiel-Komposition, Speakers Corner, Demonstrationen u.a. mit Barbara Coudenhove-Kalergi (sie las im Literaturhaus aus ihrem Erinnerungsbuch "Zuhause ist überall" und sprach über die Wende in Polen und Tschechien und kritisierte Medien und Medienpolitik in Österreich), Felix Mitterer (er las Texte von Stéphane Hessel, Ilse Aichinger und Mordechaj Gebirtig), Erich Hackl (er stellte seine Filmdoku über Fritz Kalmar vor), Oliver Rathkolb (hielt einen Vortrag über nationalsozialistische Bücherverbrennungen als symbolische Politik), Christine Haidegger (erzählte von der allerersten Veranstaltung auf derm Salzburger Residenzplatz 1987 mit Erich Fried, organisiert von der Salzburger Autorengruppe), Uni-Rektor Schmidinger und Landesschulratspräsident Gimpl redeten beim Speakers Corner und Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller sowie Gemeinderätin Inge Haller nahmen Stellung: Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden!

Beeindruckend vor allem auch das Engagement vieler junger Menschen: Schülerinnen und Schüler bereiteten sich vor, traten auf, lasen eigene Texten, spielten Musik, demonstrierten, formten mit Riesenbuchstaben ein Flusszitat auf der Salzach und bildeten mit hunderten Passanten eine Menschenkette ...

-> Gesamtprogramm

Die Organisatoren waren mehr als zufrieden und konnten unter den allein ca. 400 Teilnehmern an der Hauptveranstaltung um 17 Uhr auf dem Salzburger Residenzplatz prominente Teilnehmer wie Erzbischof Alois Kothgasser, Ex-Bürgermeister Reschen, Marko Feingold (99-jähriger Präsident der Israelitschen Kultusgemeinde), den Historiker Ernst Hanisch etc. begrüßen. Die Stimmung war zwölf Stunden lang prächtig, das Interesse der Salzburger noch größer als erhofft, Medienvertreter berichteten (z.B. ganztags im Sender Freies Radio, abends im ORF-Fernsehen in der ZIB2,  im Standard) und auch das Wetter spielte mit, nachmittags wurde es sogar sonnig ... Und so soll es auch künftig immer wieder Aktivitäten geben, um sich einzumischen und Stellung zu beziehen.

-> 12 Stunden Radio Programm 75 Jahre Buecherverbrennung

Die Initiative Freies Wort ist eine projektbezogene Vernetzung Salzburger Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie engagierter Personen (unterstützt von Stadt und Land Salzburg) mit dem Ziel, Salzburg zu einem Ort zu machen, an dem kontinuierlich daran erinnert wird, dass Emanzipation, Fortschritt und Utopie sich nur in Freiheit entwickeln können; Zensur und alle Versuche, die Freiheit des Geistes, von Kunst, Kultur und Wissenschaft zu boykottieren, sollen kritisch aufgezeigt werden. Gegründet 2011 von Albert Lichtblau, Karl Müller, Inge Haller und Tomas Friedmann beteiligten sich dutzende engagierte Personen und Institutionen, z.B. Friedensbüro, BAKIP, Universtitätsbibliothek, Dachverband Salzburger Kulturstätten, Israeltische Kultusgemeinde, Plattform für Menschenrechte, ÖJRK, Zweig-Centre, Radiofabrik, Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte.

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