Büchertankstellen boomen: 10.000 Bücher getauscht

12.11.2013
Mehr als 10.000 Bücher haben seit Eröffnung im Mai 2012 in den Salzburger Büchertankstellen vor dem Literaturhaus und vor der ARGEkultur ihre Besitzer/innen gewechselt. Die Stadt überlegt, die Initiative für andere Stadtteile zu kopieren.

"Die Idee ist frei und gehört allen Menschen", sagt Tomas Friedmann, der in Salzburg im Frühjahr 2012 die Leseaktion startete und sich über viele positive Reaktionen freut. Inzwischen wisse man, sagt der Literaturhaus-Leiter, dass es vielerorts ähnliche Vorhaben gibt – auch in ausgedienten Telefonzellen. "Damals glaubten wir, die ersten zu sein, die Telefonzellen in wetterfeste Gratisbibliotheken umbauten", schmunzelt Friedmann heute. Die Liste an öffentlichen Bücherschränken ist tatsächlich lang:

-> Öffentlicher_Bücherschrank

„Jede Woche wechseln hunderte Bücher ihre Besitzer!“ freut sich Tomas Friedmann vom Literaturhaus Salzburg, der im Sommer 2013 nach 1 Jahr Bilanz zog: "Die Aktion ist ein überraschend großer Erfolg, seit der Eröffnung sind 10.000 Bücher getauscht worden". Manchmal sieht der Literaturhaus-Leiter sogar noch um Mitternacht nach einer Veranstaltung Bücherwürmer mit Lesefutter aus der "Tankstelle" kommen. Eine Nutzerin sprach von der besten Idee in Salzburg seit langem!

Am 31. Mai 2012 wurden vor dem Literaturhaus im Stadtteil Lehen und vor der ARGEkultur im Nonntal zwei Büchertankstellen eröffnet – frei zugängliche, unkontrollierte Gratis-Tauschbörsen für Bücher aller Art. Seitdem gibt es täglich ein Kommen und Gehen, ein Geben und Nehmen. Auffällig sei die hohe Fluktuation, stellt Erfinder Friedmann fest, man bemerke ein täglich wechselndes Angebot von gebrauchten Büchern: Romane wie Sach- und Kinderbücher. Ganz unterschiedliche Nutzer wurden beobachtet,  manche kommen bewusst und regelmäßig mit dem Fahrrad oder zu Fuß, andere stolpern zufällig in eine der beiden Büchertankstellen.

Berichte von der Eröffnung:

-> online-Artikel

-> Video

-> Presse

Daniela Gmachl, Geschäftsführerin der ARGEkultur und Partnerin des Projekts, freut sich ebenfalls über den regen Zuspruch und positive Postings auf den jeweiligen Facebook-Seiten, über Emails und persönliche Rückmeldungen in den beiden Salzburger Kulturhäusern. Geschmunzelt wird immer wieder über erstaunte Gesichter und ungläubige Fragen von Interessierten, ob man denn da wirklich ohne Ausweis und ohne ein Buch dabeizuhaben eines oder mehrere so einfach mitnehmen dürfe ... Ja, man darf! Und man soll und kann Tag und Nacht kommen, denn die beiden Büchertankstellen stehen rund um die Uhr offen und bieten pro Büchertankstelle Platz für 150 bis 200 Bücher.

Tomas Friedmann wünscht sich viele Nachahmer der vorläufig für ein Jahr geplanten Aktion wetterfester, unkomplizierter Büchertauschbörsen: „Es gab Anrufe mit Hinweisen auf ähnliche Projekte in anderen Städten, viel Lob und etliche Anfragen, wie unsere ‚Büchertankstellen’ funktionieren. Jeder darf die Idee kopieren, ja, es wäre schön, wenn sich daraus Partnerschaften in Gemeinden ergeben – eventuell in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Bildungseinrichtungen und Kulturstätten, unterstützt durch die Kulturpolitik. Vielleicht stehen ja irgendwo noch alte Telefonzellen herum, die nicht mehr gebraucht werden?"

Es waren auch schon Anfragen, wo man tausende Bücher – etwas nach Todesfällen, bei Wohnungsauflösungen etc. – abgeben könne. Wie wäre es, regt der Literaturhaus-Leiter an, wenn die Stadt Salzburg eine große, rund um die Uhr offene "Büchertankstelle" aufstellen würde! Nun erkundigte man sich aus dem Magistrat über die Aktion – man überlege die Idee für andere Stadtteile zu kopieren ...