Ausstellung: 1. bis 28. April 2016
Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr sowie bei Abendveranstaltungen (Eintritt frei)

BEIM ERINNERN VERGESSEN
Doku-Ausstellungen zur Geschichte der Roma und Sinti am Balkan und im Burgenland

Midissage: Montag, 11. April, 19.30 Uhr im Literaturhaus Salzburg

 

Die Schau „Die Hölle von Jasenovac” thema- tisiert auf zwölf Bild-Text-Tafeln den Genozid an Roma und Sinti auf dem Balkan. „Djelem Djelem“, die Hymne der Roma, erzählt von Verfolgung und Vernichtung durch die „schwarze Legion“ in Kroatien. Für die Volksgruppe der Roma ist der „Porajmos“, die Verfolgung und Vernichtung durch den Nationalsozialimus, identitätsstiftend. Das Gedenken daran ist längst zur Erinnerungskultur geworden und Ausdruck eines geteilten und gemeinsamen Gedächtnisses.

Die Ausstellung „Die Hölle von Jasenovac“ zeigt die Vertreibung, Versklavung und Ermordung der Roma am Balkan am Beispiel des KZ Jasenovac. Das als „Auschwitz des Balkan" bekannte Konzentrationslager – gelegen im faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) und geleitet von der Ustatscha – war das einzige Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg in Europa, in dem ohne deutsche Beteiligung planmäßig gemordet wurde: Serben, Kroaten und bosnische Muslime, Juden und Roma.

 

Die audio-visuelle Zeitzeugen-Doku „Auf den Spuren der Vergangenheit“ erzählt in 10 Stationen Lebensgeschichten burgenländischer Roma. Mangelhaft ausgepägtes historisches Bewusstsein und fehlendes Unrechtsbewusstsein waren lange Zeit Grund dafür, dass der Völkermord an österreichischen Roma und Sinti nur in der Erinnerung Überlebender vor dem Vergessen bewahrt wurde. Rund 90 Prozent der achttausend Burgenland-Roma – die mit Abstand größte Roma-Gruppe vor 1938 in Österreich – wurden während der NS-Diktatur ermordet, die Roma-Kultur war nahezu ausgelöscht, die Existenzgrundlagen vernichtet, soziale Strukturen zerstört.

Beschimpft und verunglimpft standen überlebende Roma nach 1945 vor einem Scherbenhaufen. Viele flüchteten in die Anonymität der Städte und verbargen ihre Herkunft, andere zeigten sich und mussten feststellen, dass sie die Kontinuität der Diskriminierung auch im befreiten Österreich nicht durchbrechen konnten – bis 1995 eine Rohrbombe im burgenländischen Oberwart vier Menschen der Roma-Siedlung tötete. Zum schlimmsten rassistisch motivierten Attentat der Zweiten Republik bekannte sich eine rechtsextreme Bajuwarische Befreiungsarmee. Ob der Jahre später inhaftierte Franz Fuchs als Einzeltäter handelte, blieb umstritten, er beging in der Haft Selbstmord. Wie sieht die Volksgruppe die Ereignisse der Geschichte, die bis heute Schatten auf die Gegenwart wirft?

Die Ausstellung wurde mit freundlicher Unterstützung des Zukunftsfords und des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus organisiert. Dank an die Kooperationspartner: Verein Phurdo Roma-Sinti (Salzburg), Roma-Verein KARIKA (Oberwart) und Verein Roma-Service (Kleinbachseiten).